KI.ASSIST Praxistest: Lern- und Experimentierräume starten 06.10.2021

©Deutsches Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI).

Die drei am Projekt beteiligten BBW-Standorte in Berlin, Husum und Neckargemünd starten nun in den nächsten Tagen und Wochen mit den LER und erproben drei KI-basierte Assistenztechnologien in der Berufsvorbereitung und Berufsausbildung. Vor dem Start der LER finden an den Standorten inklusive Schulungen mit den Teilnehmenden und Fachkräften statt.

Annedore-Leber-Berufsbildungswerk Berlin (ALBBW)

Der Lern- und Experimentierraum (LER) im Annedore-Leber-Berufsbildungswerk Berlin testet eine neue Technologie, die beim Lernen helfen soll und im Alltag unterstützt: Die App AirCrumb.

Im ALBBW werden sieben Teilnehmende aus dem kaufmännischen Bereich die KI-basierte App erproben. Die Teilnehmenden haben psychische Probleme, Schwierigkeiten beim Lernen und bei der Einhaltung der Tagesstruktur.

AirCrumb hilft dabei, den Arbeitsalltag in der Ausbildung oder im Praktikum zu strukturieren, erinnert an wichtige Termine und stellt zu verschiedenen Zeiten Fragen an die Teilnehmenden. Die KI-Komponenten der App erfüllen zwei verschiedene Funktionen: Einerseits wird das Nutzungsverhalten der Teilnehmenden erfasst und die App passt sich an dieses an. Zum anderen ist eine Emotionserkennung implementiert.
Des Weiteren dient AirCrumb auch der Unterstützung beim Lernen. Die Fachkräfte stellen über ein Dashboard sowohl Fragen zum Befinden der Teilnehmenden als auch Fachfragen zu Ausbildungsinhalten ein, um dies zu ermöglichen.

Theodor-Schäfer Berufsbildungswerk Husum (TSBW)

Im  LER des TSBW Husum nehmen Teilnehmende aus dem 2. und 3. Ausbildungsjahr an der Erprobung des KI-basierten Assistenzsystems EmpaT (Emphatischer Trainingsbegleiter) teil. Im Mittelpunkt stehen dabei Menschen mit Problemen bei der Kommunikation.

Die ausgewählten Teilnehmenden erproben das KI-basierte Assistenzsystem EmpaT  im Rahmen von Bewerbungstrainings. Das System ermöglicht den Teilnehmenden, die eigenen sozialen und emotionalen Fähigkeiten in einem interaktiven Dialog mit virtuellen Avataren in einer 3D-Trainingsumgebung einzuschätzen und zu verbessern. Durch die Echtzeit-Analyse sozialer Signale wie Sprache, Mimik, Gestik und Körperhaltung kann das Verhalten des interaktiven Trainingsavatars an die individuelle sozio-emotionale Situation des Bewerbers angepasst werden. Anhand von Stimme, Sprache, Mimik und anderen Faktoren wie Blickrichtungen und Körperhaltung erkennt der persönliche Assistent, wie es seinem menschlichen Gegenüber geht. Der Avatar kann den Bewerbungsdialog damit „einfühlsam“ gestalten.

SRH Berufsbildungswerk Neckargemünd (BBWN)

Im LER des BBW Neckargemünd wird von Teilnehmenden der Berufsborbereitung (BvB) und Auszubildenden mit Angststörungen, sozialen Phobien und Prüfungsangst eine interaktive VR-Trainingsumgebung zur Stressbewältigung und psychologischen Begleitung erprobt. Das System ermöglicht die Auseinandersetzung mit den eigenen sozialen Ängsten in einer sicheren interaktiven VR-Umgebung durch das Üben von verschiedenen Situationen, wie z.B. die Kommunikation mit fremden Menschen oder das Referieren vor einer Gruppe in der Berufsschule.

Anhand der Analyse von Markern, der erhobenen Daten von Bewegungen, Stimme und Blickrichtung, gibt die KI-basierte Assistenztechnologie OPTAPEB mögliche Auswertungen und Interventionsmöglichkeiten als Empfehlungen an die begleitenden Fachkräfte. In Feedbackgesprächen findet eine Reflexion über die erlebte Situation statt. So kann eine bewusste Konfrontation mit schwierigen sozialen Situationen in einer geschützten Umgebung gewährleistet und der Schwierigkeitsgrad der einzelnen Szenarien individuell angepasst werden.

Die KI des Systems besteht in der Datenanalyse und den Empfehlungen, die es an die begleitenden Fachkräfte gibt.

Ausblick

In jedem LER wird geprüft, ob die Technologien auch in anderen Einrichtungen angewendet werden können. Um eine nachhaltige Nutzung der KI-basierten Assistenzsysteme sicherzustellen, werden Faktoren wie Datenschutz, Barrierefreiheit, ethische Gesichtspunkte, Kosten in der Anschaffung, personeller Aufwand, Wartungs- und Supportaufwände sowie technische Voraussetzungen in der Einrichtung erfasst. Ziel soll bei allen LER sein, Chancen und Risiken der Technologien aufzuzeigen.