Fachtag „BBW.Digital“: Künstliche Intelligenz als Chance für BBW

Mehr als 100 Reha-Fachkräfte aus den 51 Berufsbildungswerken in Deutschland sind am 11. März 2026 im Ohm Innovation Center in Nürnberg zur Fachtagung „BBW.Digital“ zusammengekommen. Ziel der Fachveranstaltung war es, neue Perspektiven der digitalen beruflichen Bildung kennenzulernen, Erfahrungen auszutauschen und gemeinsam über die Rolle von Künstlicher Intelligenz in Bildung, Beratung und sozialer Arbeit zu diskutieren.

Bereits zur Eröffnung machte Samuel Breisacher, Vorstand der BAG BBW, deutlich, wie stark die Digitalisierung die berufliche Bildung verändert. „Die digitale Transformation des Arbeitsmarktes hat unmittelbare Auswirkungen auf die berufliche Bildung in den Berufsbildungswerken“, betonte Breisacher. „Digitale Technologien gehören längst zur Lern- und Lebensrealität unserer Teilnehmer*innen. Umso wichtiger ist es, sie in diesem Prozess zu begleiten – durch den Erwerb digitaler Kompetenzen, aber auch durch kritisches Denken und Problemlösefähigkeit.“

Gleichzeitig verwies er darauf, dass technologische Entwicklungen auch neue Anforderungen an pädagogische Arbeit stellen. „Unsere Aufgabe ist es, Menschen resilienter zu machen. Gerade in einer technologisierten Welt gewinnt Erziehungsarbeit noch einmal an Bedeutung.“

Yvonne Schellin, Leiterin des Fachbereichs Berufseinstieg und Teilhabe bei der Bundesagentur für Arbeit, hob in ihrem Grußwort die enge Zusammenarbeit mit der BAG BBW hervor. „Der Arbeitsmarkt befinde sich derzeit in einem tiefgreifenden Wandel. Eine passgenaue Förderung junger Menschen mit besonderem Förderbedarf wird immer wichtiger. Hier setzen die Berufsbildungswerke an“. Gleichzeitig entwickelten sich Künstliche Intelligenz und digitale Technologien häufig schneller als der gesetzliche Rahmen. „Trotz aller technologischen Möglichkeiten müssen Entscheidungen weiterhin von Menschen getroffen werden – rechtlich sicher und methodisch fundiert.“

Wichtige fachliche Impulse lieferten die Vorträge von Robert Lehmann zu notwendigen KI-Kompetenzen in Bildung und Arbeitswelt sowie von Arne Manzeschke, der ethische und moralische Fragen im Umgang mit Künstlicher Intelligenz beleuchtete. Beide Beiträge gaben den Teilnehmenden zentrale Denkanstöße für den praktischen Einsatz digitaler Technologien in Ausbildung und Beratung.
In insgesamt zwölf praxisorientierten Sessions wurde anschließend deutlich, welches Potenzial KI bereits heute für die Arbeit in den Berufsbildungswerken bietet. Vorgestellt wurden unter anderem KI-gestützte Lernsettings, Virtual-Reality-Anwendungen für Bewerbungstrainings sowie digitale Assistenzsysteme in der psychosozialen Beratung. Die Beiträge zeigten, wie digitale Technologien dabei helfen können, Lernprozesse individueller zu gestalten und neue Zugänge zu Bildung und Arbeit zu eröffnen.

Den Abschluss bildete eine Diskussionsrunde mit Alexandra Poltermann vom Institut für E-Beratung der Technischen Hochschule Nürnberg, Robert Lehmann, Samuel Breisacher sowie Stefan Ebert aus dem Berufsbildungswerk Hamburg. Ein zentrales Fazit: Die Auseinandersetzung mit Digitalisierung und KI müsse langfristig angelegt sein.

„Digitale Kompetenzen lassen sich nicht in kurzen Pflichtschulungen vermitteln“, war sich die Runde einig. Vielmehr brauche es didaktische Konzepte, ausreichend Zeitressourcen und Räume für kontinuierliches Lernen. Ebenso wichtig seien Austausch, Vernetzung und gegenseitige Unterstützung zwischen Praxis und Wissenschaft.

Genau hier setzt das neue Veranstaltungsformat der BAG BBW an. Mit „BBW.Digital“ soll künftig eine Reihe von Fachtagungen entstehen, die den Wissenstransfer zwischen Berufsbildungswerken, Forschung und Praxis stärken. Ziel ist es, Netzwerke aufzubauen, Erfahrungen zu teilen und gemeinsam innovative Lösungen zu entwickeln.

Denn Digitalisierung spielt für Menschen mit Behinderung eine besondere Rolle: Digitale Technologien können Barrieren abbauen und einen inklusiveren Zugang zu Bildung und Arbeitsmarkt ermöglichen. Die Fachtagung machte deutlich, dass die Berufsbildungswerke diesen Wandel aktiv gestalten wollen – mit fachlicher Expertise, gegenseitigem Lernen und einer offenen Haltung gegenüber neuen Technologien.