Im einführenden Impulsvortrag stellte Dr. Klaus Keller von der Diakonie Herzogsägmühle gGmbH die Frage in den Mittelpunkt, wie die ICF als einheitliches sprachliches Instrument so genutzt werden kann, dass junge Menschen sie als hilfreich erleben und sich darüber ausdrücken können. Dabei betonte er die Bedeutung einer klaren und alltagstauglichen Sprache ebenso wie den Wert transparenter Erklärungen von Zielen, Maßnahmen und Einschätzungen. Zugleich hob er hervor, dass die ICF ein wichtiges Werkzeug zur Stärkung der Selbstwirksamkeit junger Menschen sein kann. Besonders eindrücklich war sein Hinweis, dass Verständlichkeit nicht nur eine kommunikative, sondern auch eine ethische Aufgabe ist: Wer verständlich erklärt, schafft Vertrauen.
Im Workshop zur nachhaltigen Implementierung der ICF wurde erarbeitet, wie die Anwendung auch im beruflichen Alltag wirksam bleiben kann – selbst dann, wenn Ressourcen knapp sind oder Routinen fehlen. Deutlich wurde, dass verbindliche Teamabsprachen und klare Zuständigkeiten eine wichtige Grundlage bilden. Ebenso hilfreich sind kleine, gut umsetzbare Schritte statt umfassender Reformvorhaben sowie eine regelmäßige Nachsteuerung durch Reflexion und Fallbesprechungen.
Die Frage nach Haltung stand im Workshop „Respektvoll, partnerschaftlich und partizipativ“ im Mittelpunkt. Diskutiert wurde, wie echte Teilhabe gelingen kann und welche Methoden junge Menschen dabei unterstützen, aktiv an ihrer Förderplanung mitzuwirken. Im Austausch wurden insbesondere ressourcenorientierte Gesprächstechniken und Visualisierungsformate als hilfreiche Ansätze hervorgehoben.
Ein weiterer Schwerpunkt lag auf der Perspektive, Teilnehmende als Expertinnen ihrer eigenen Lebenswelt zu verstehen. In diesem Zusammenhang wurde vertieft, wie Fachkräfte diesen Perspektivwechsel verinnerlichen können. Die Jugendlichen wurden dabei konsequent als Expert*innen ihrer Lebenswege betrachtet. Diskutiert wurde, wie die ICF genutzt werden kann, um Lebenswelten differenziert zu erfassen und Entscheidungen gemeinsam zu treffen.
Der Vortrag von Verena Drescher vom DIAKOVERE Annastift Leben und Mirko Feuerhahn von der Lernen gGmbH machte deutlich, dass die ICF nicht nur ein Klassifikationssystem ist, sondern sich immer auch in einem ethischen Spannungsfeld bewegt. Im Fokus standen dabei Fragen nach einem transparenten Umgang mit Informationen, der Verantwortung von Fachkräften im Umgang mit sensiblen Daten sowie der Herausforderung, die ICF zu nutzen, ohne die Individualität eines Menschen zu reduzieren. Besonders betont wurde der Grundsatz, dass ICF-Arbeit immer auch Beziehungsarbeit ist.
Zum Abschluss fasste Mirko Feuerhahn zentrale Erkenntnisse des Fachtags zusammen. Hervorgehoben wurden eine gestärkte Haltung der Partizipation, bei der junge Menschen aktiv einbezogen werden, konkrete Ideen für eine nachhaltige Implementierung der ICF auch unter herausfordernden Rahmenbedingungen sowie Impulse für eine klare und verständliche Kommunikation, die Vertrauen schafft und Orientierung bietet. Darüber hinaus wurde das Bewusstsein für ethische Fragestellungen geschärft und die Motivation gestärkt, die ICF als strukturiertes und zugleich menschliches Werkzeug für professionelle Beziehungen zu nutzen.
Der Fachtag zeigte eindrucksvoll, wie gewinnbringend fachliche Tiefe, dialogorientiertes Arbeiten und Praxisnähe sind – und setzte damit wichtige Impulse für die Weiterentwicklung der ICF-basierten Arbeit in den Berufsbildungswerken.
