Unter dem Titel „Ausbildung im Spannungsfeld von Krise, Demokratie und KI“ standen die Fach- und Arbeitskräftesicherung, die Bedeutung demokratischer Teilhabe und die Auswirkungen Künstlicher Intelligenz auf die Arbeitswelt im Mittelpunkt. Durch den Abend führte Kerstin Palzer aus dem ARD-Hauptstadtbüro. Zu Beginn kamen viele Stimmen von Teilnehmenden aus ganz Deutschland zu Wort, die auf die Frage „Was ist für mich Demokratie?“ ihre ganz persönlichen Antworten gaben. Demokratie hat viele Gesichter: Mitbestimmen, gehört zu werden, dazuzugehören und die Erfahrung zu machen, selbst etwas bewirken zu können.

Tobias Schmidt, Vorsitzender der BAG BBW, wies darauf hin, dass junge Menschen mit Behinderungen neben beruflichen Perspektiven auch das Gefühl brauchen, dazuzugehören. „Davon lebt Demokratie. Auch deshalb ist Demokratiebildung in den Berufsbildungswerken so wichtig“, sagte Schmidt. Teilhabe sei ein entscheidender Schlüssel: Wer jungen Menschen Verantwortung zutraue, stärke Selbstwirksamkeit. Wer Menschen mit Behinderungen selbstverständlich als Teil der Gesellschaft verstehe, stärke die Demokratie.
Zugleich verwies er auf die zahlreichen Krisen und Unsicherheiten, mit denen junge Menschen heute aufwachsen. Hinzu komme eine politische Entwicklung, die Sorge bereite. Die Wahlerfolge der AfD in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern seien ein Warnsignal für Menschen mit Behinderungen und für alle, die sich für eine inklusive Gesellschaft einsetzen.

Anschließend unterstrich Kerstin Griese, Parlamentarische Staatssekretärin bei der Bundesministerin für Arbeit und Soziales, die Bedeutung der Berufsbildungswerke für die berufliche und gesellschaftliche Teilhabe junger Menschen mit Behinderungen. „Jährlich bereiten Sie rund 16.000 junge Menschen auf eine Beschäftigung auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt vor – mit individueller Förderung, persönlicher Begleitung und in enger Zusammenarbeit mit Unternehmen“.
Damit leisteten die Berufsbildungswerke zugleich einen Beitrag zur Fachkräftesicherung. Sie eröffneten jungen Menschen Chancen auf ein selbstbestimmtes Leben und unterstützten Unternehmen dabei, dringend benötigte Fach- und Arbeitskräfte zu gewinnen.

Im anschließenden Fachimpuls nahm Dr. Kai Unzicker, Senior Project Manager für Demokratie und Zusammenhalt bei der Bertelsmann Stiftung, die Perspektive junger Menschen genauer in den Blick: Wie schauen junge Menschen heute auf unsere Demokratie – und was erwarten sie von ihr?
Eine wichtige Rolle spielt dabei die Frage, ob junge Menschen ihre Zukunft als gestaltbar erleben. Dafür braucht es gute Bildung und die Möglichkeit, sich Kompetenzen anzueignen, um das eigene Leben selbstbestimmt und eigenverantwortlich führen zu können. Ebenso wichtig ist die Erfahrung, mit der eigenen Stimme etwas bewirken und Einfluss auf gesellschaftliche und politische Entwicklungen nehmen zu können. Und junge Menschen müssen erleben, dass ihre Interessen in politischen Entscheidungen tatsächlich berücksichtigt werden.

Zum Abschluss des Abends brachte das von Kerstin Palzer moderierte Podium die verschiedenen Perspektiven zusammen. Mit dabei waren Kerstin Griese, Leo Lausberg und Raphael Möllenhoff, beide Auszubildende im BBW Potsdam, sowie Stefanie Niemeyer, stellvertretende Vorstandsvorsitzende der BAG BBW und Bereichsgeschäftsführerin im BBW Greifswald. Die beiden Auszubildenden schilderten eindrücklich ihre Sorgen, dass Einsparungen und Kürzungen die Teilhabe von Menschen mit Behinderungen gefährden könnten.
Stefanie Niemeyer betonte, dass Teilhabe nicht erst beim Übergang in den Betrieb beginne. Auch während der Ausbildung könnten junge Menschen ihre Interessen einbringen und Veränderungen mitgestalten. In den Berufsbildungswerken arbeiten die gewählten Teilnehmendenvertretungen auf Augenhöhe mit den Leitungen zusammen – etwa wenn es um die Gestaltung von Ausbildungsräumen, Ausbildungsinhalten oder andere Rahmenbedingungen geht. „Dieses Miteinander ist ein wichtiges Instrument, um Teilhabe konkret erfahrbar zu machen“, sagte Niemeyer.
Die zentrale Botschaft des Abends war: Berufsbildungswerke schaffen Räume, in denen junge Menschen nicht nur für den Arbeitsmarkt ausgebildet werden, sondern auch erfahren können: Meine Stimme zählt. Ich kann etwas bewirken.












