Inklusion stärkt Demokratie – und umgekehrt

Wie können junge Menschen Demokratie lernen? Was braucht es, damit junge Menschen mit Behinderung politische Teilhabe erleben und gestalten können – in einer Welt, die zunehmend digitaler wird? Diese und viele weitere Fragen standen im Mittelpunkt des Online-Talks „Demokratie braucht Inklusion“ am 17. September 2025. Rund 100 interessierte Teilnehmende aus Berufsbildungswerken, Politik und Gesellschaft waren dabei.

Zum Auftakt gab Roman Hanle, Vorstand der Bundesarbeitsgemeinschaft der Berufsbildungswerke (BAG BBW), einen Einblick in die Arbeit der BBW und die Rolle, die ihnen bei der beruflichen Rehabilitation junger Menschen mit Behinderung zukommt. Mit Nachdruck betonte er die Bedeutung von Mitbestimmung und Partizipation im Alltag der Berufsbildungswerke. „Demokratie muss auch in der Ausbildung erlebbar sein – durch echte Mitwirkung und Beteiligung der Teilnehmenden“, so Hanle.

Felix Behm, Experte für die Generation Z und Alpha, lenkte den Blick auf die Frage: Was verändert sich an Demokratie durch die Digitalisierung – und warum ist das für die politische Bildung so relevant? Sein zentrales Fazit: Die Generation Z ist keineswegs unpolitisch. Im Gegenteil: Sie interessiert sich stark für gesellschaftliche Themen, will sich aber anders einbringen als frühere Generationen. Statt langfristigem Engagement in Parteien bevorzugen junge Menschen heute digitale, schnelle und direkte Aktionsformen. „Demokratie können wir nicht unterrichten. Demokratie müssen wir leben“, brachte Behm es auf den Punkt – und zeigte Wege auf, wie politische Bildung zeitgemäß gestaltet werden kann.

Ein klares Bekenntnis zur Inklusion kam von Wilfried Oellers, MdB und Beauftragter für die Teilhabe von Menschen mit Behinderungen der CDU/CSU-Bundestagsfraktion. In seinem Impuls dankte er der BAG BBW für ihren Einsatz in der beruflichen Rehabilitation und lobte die Teilnehmendenvertretungen in den BBW, die aktiv in demokratische Entscheidungsprozesse eingebunden sind. Er unterstrich: „Politische Teilhabe bedeutet auch, dass die Rahmenbedingungen stimmen – dazu gehört ein barrierefreies Umfeld, in dem sich alle einbringen können.“

Wie Demokratie im Alltag eines BBW konkret funktioniert, zeigten Katrin Franke, Vertrauensperson, und Lena Freitag, Teilnehmendenvertreterin – beide aus dem BBW Essen. Sie berichteten von ihrer Arbeit vor Ort und dem Engagement für Mitbestimmung. Ein besonderes Augenmerk legten sie auf die neue Teilnehmenden-Mitwirkungsordnung, die bundesweit in den BBW gilt. „Sie bringt mehr Verbindlichkeit und Einheitlichkeit in die BBW und stärkt die Teilnehmendenvertretung“, so Katrin Franke. Dass die Stimme der Teilnehmenden auch über die eigene Einrichtung hinaus Gehör findet, machte Lena Freitag deutlich: „Wir haben erreicht, dass die Verpflegungspauschale für die Mittagsmahlzeiten außerhalb der Berufsbildungswerke auf 5,60 Euro erhöht wird.“ Ein Beispiel dafür, wie demokratische Mitbestimmung tatsächlich etwas bewirken kann.

Zum Abschluss bedankte sich Roman Hanle bei allen Mitwirkenden und Teilnehmenden für die engagierten Beiträge und spannenden Impulse. Mit einem Zitat von Max Frisch brachte er die Botschaft des Online-Talks auf den Punkt: „Demokratie heißt, sich in seine eigenen Angelegenheiten einzumischen.“

Der Online-Talk zeigte: Demokratie braucht Inklusion – und Inklusion stärkt die Demokratie.