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Berufsbildungswerk (BBW)

Berufsbildungswerk (BBW)

Die bundesweit agierenden über 50 Berufsbildungswerke (BBW) sind Einrichtungen der beruflichen Rehabilitation i.S.d. § 35 SGB IX. Leistungen der beruflichen Rehabilitation zeichnen sich durch eine enge Zusammenarbeit von Ärztinnen, Psychologen, Pädagogen und vielen anderen Fachkräften mit spezialisierten Ausbildenden und sonderpädagogisch kompetenten Berufsschullehrenden aus. Der Gesamtpersonalschlüssel für jeden einzelnen jungen Menschen liegt bei mindestens eins zu fünf. Die verschiedenen Fachleute werden durch ein qualifiziertes Reha-Management personenzentriert für jeden einzelnen Jugendlichen vernetzt.

Das Leistungsspektrum der Berufsbildungswerke i.R.d. § 35 SGB IX umfasst

  • Eignungsabklärung
  • Arbeitserprobung
  • Berufsvorbereitung
  • Ausbildung und
  • Integration.

Verzahnte Ausbildung mit Berufsbildungswerken

Die berufliche Ausbildung findet – soweit möglich – verzahnt mit Unternehmen der Wirtschaft und öffentlichen Dienststellen statt, sog. Verzahnte Ausbildung mit Berufsbildungswerken (VAmB) nach § 35 Abs. 2 SGB IX. Bei VAmB werden mindestens sechs Monate der Ausbildung in Betriebe verlagert. Dabei werden die jungen Menschen eng je nach individuellem Bedarf von den Berufsbildungswerken unterstützt. Ein Übergang in eine betriebliche Ausbildung ist jederzeit möglich. Für junge Menschen, denen eine VAmB noch nicht gelingt, werden mindestens 26 Wochen Betriebspraktika sichergestellt.

Zielgruppe der Berufsbildungswerke

Zielgruppe sind junge Menschen, die wegen Art oder Schwere der Behinderung oder zur Sicherung des Erfolges, die Leistungen eines Berufsbildungswerkes benötigen. Die Leistungen werden überwiegend finanziert durch die Bundesagentur für Arbeit auf der Grundlage des § 117 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 a SGB III i.V.m. § 35 SGB IX. Darüber hinaus kommen auch Rentenversicherung und Unfallversicherung als Kostenträger in Betracht.

Mit den jungen Menschen wird ein Teilnahmevertrag geschlossen, der ihnen umfassende Rechte und Pflichten gegenüber den Berufsbildungswerken einräumt. Ihre Mitwirkung an der Leistungsgestaltung wird darüber hinaus durch eine Teilnehmendenvertretung in den Berufsbildungswerken sichergestellt.

Mit der Ausbildung durch ein BBW wird ein Berufsabschluss nach dem Berufsbildungsgesetz (BBiG) und der Handwerksordnung (HwO) inklusive Hauptschulabschluss realisiert. Berufsbildungswerke arbeiten eng verzahnt mit zuständigen Stellen und unterstützen diese zur Realisierung von Nachteilsausgleichen insgesamt.

Kooperationen

Zur Sicherstellung von weiteren erforderlichen Leistungen z.B. der Alltagspflege kooperieren Berufsbildungswerke eng mit Pflegeversicherungs-, Krankenversicherungs- und Eingliederungshilfeträgern.

Zur Realisierung einer inklusiven Gesellschaft wird nicht nur die Ausbildung mit dem Wirtschaftsraum, sondern die Leistung zur Förderung der sozialen Teilhabe mit dem Sozialraum vernetzt. Berufsbildungswerke verfolgen das Ziel: so inklusiv wie möglich, so speziell wie nötig.

Zur Gestaltung nahtloser Versorgungsketten werden die Leistungen der Berufsbildungswerke mit Leistungen der Akutversorgung, medizinischen Rehabilitation, der Suchthilfe, der Jugendhilfe, der Schulen und Hochschulen etc. vernetzt.

Mit dem Projekt Basiskonzept für die Bedarfsermittlung in der beruflichen Rehabilitation (b3) unterstützen Berufsbildungswerke maßgeblich die Entwicklung einheitlicher Kriterien der Bedarfsfeststellung auf der Grundlage der International Classification of Functioning, Disability and Health (ICF) in Kooperation mit sieben weiteren Bundesarbeitsgemeinschaften der beruflichen Rehabilitation, der Bundesarbeitsgemeinschaft für Rehabilitation (BAR) und der Hochschule Magdeburg/ Stendal.

Mit der Entwicklung eines Rahmencurriculums für eine Reha-pädagogische Zusatzqualifikation (ReZA) auf der Grundlage der Empfehlung des BIBB-Hauptausschusses stellen BBW ihr Erfahrungswissen für andere außerbetriebliche Anbieter und Betriebe zur Verfügung.

Mit dem Projekt Anfänge, Übergänge, Anschlüsse sichern (PAUA) öffnen sich Berufsbildungswerke für weitere Personenkreise. Neben Jugendhilfeempfängern spielen junge Menschen mit Fluchthintergrund eine wichtige Rolle. Hierzu realisieren Berufsbildungswerke ein rechtskreisübergreifendes Case-Management. Zur Unterstützung junger Menschen mit Behinderung in Betrieben erproben sie direkte Leistungen an Betriebe.

Mit dem Projekt TrialNet setzen sich Berufsbildungswerke für Qualifizierungsbausteine und eine Öffnung des Deutschen Qualifizierungsrahmens (DQR) nach unten ein.

Berufsbildungswerke und ihre Träger stellen mit diesen und vielen weiteren Modell- und Entwicklungsprojekten eine kontinuierliche ergebnisorientierte Leistungsverbesserung im Interesse junger Menschen mit Behinderung sicher.

Externe Links:

Originaltext von talentplus

Stand: Juni  2016

 

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